Ausstellung Leda und der Schwan
Ausstellungsraum/ Atelier Ralf Ehmann Kiebingen

Leda und der Schwan
Zur Eröffnung am Samstag den 25. April 2026 um 17 Uhr,
sind Sie und Ihre Freunde herzlich eingeladen.
Begrüßung und Einführung:
Ralf Ehmann
Die Ausstellung erzählt zwei miteinander verwobene Geschichten:
Sie widmet sich dem antiken Mythos von Leda und dem Schwan, welcher von der Verführung
der spartanischen Königin durch den in einen Schwan verwandelte Göttervater Zeus berichtet.
Zum anderen beleuchtet die Ausstellung das geheimnisvolle Schicksal des verschollenen
Meisterwerks von Michelangelo Buonarroti.
Außergewöhnliche Exponate werden gezeigt, darunter eine Kopie eines bedeutenden Werkes nach Michelangelo, dessen Original sich im Archiv der National Gallery in London befindet.
Weitere Werke sind von Cornelis van Poelenburgh (1594/95–1667), Jean-Jacques Feuchère (1807–1852) und Hans Meid (1883–1957). Diese dokumentieren die motivische Beständigkeit über die Jahrhunderte hinweg.
Der Künstler Ralf Ehmann setzt zeitgenössische Akzente. Seine Arbeiten treten in den direkten künstlerischen Dialog mit der mythologischen Vorlage.
Ausstellungsraum/Atelier
Ralf Ehmann
Kiebinger Straße 19
72108 Rottenburg-Kiebingen
Tel.: 07472-42728
info@ralfehmann.de
www.ralfehmann.de www.galerie-ralfehmann.de
Einführungsrede:
Sehr verehrte Damen und Herren,
seien Sie herzlich willkommen!
Heute möchte ich mit Ihnen die Ausstellung „Leda und der Schwan“ eröffnen.
Peter Paul Rubens malte ein Bild von Leda mit dem Schwan, das bei mir schon vor Jahrzenten einen sehr starken Eindruck hinterlassen hat.
Dass es sich bei diesem Bild um eine Kopie nach Michelangelo handelte wusste ich damals noch nicht.
Rubens kopierte viele Werke anderer Meister um sie zu studieren und war ein sehr großer Verehrer Michelangelos. Er besaß einige Zeichnungen von ihm, die er in Italien erworben hatte.
Wie es oft so ist, stößt man immer wieder auf Neues: So bin ich auf eine Kopie dieses Gemäldes, dies vermutlich von Giovan Battista di Jacopo genannt Rosso Fiorentino angefertigt wurde, gestoßen.
Dieses Werk, das in der Regel im Archiv der National Gallery in London aufbewahrt wird, es ist eine der originalgetreusten Kopien des verlorengegangenen Werkes von Michelangelo Buonarotti.
– Gerade ist dieses Bild im legendären Rijksmuseum in Amsterdam zu sehen in der Ausstellung mit dem Titel Metamorphosen.
Um das Jahr 1530 schuf Michelangelo, im Auftrag des Herzogs von Ferrara eine ‚Leda‘, ein Gemälde in Tempera auf Holz gemalt so berichtete Vasari, Vater der Kunstgeschichte und ein Bewunderer und Freund Michelangelos. Der Michelangelo als den Künstler hervorhob, der Malerei, Bildhauerei und Architektur vereinte.
Michelangelo wählte eine Darstellung, die für die damalige Zeit kühn und radikal war. Er zeigte Leda in einer monumentalen, fast skulpturalen Vereinigung mit dem Schwan – ein Bild voller Kraft und tiefer, antiker Erotik.
Was geschah jedoch mit dem Bild? Michelangelo übergab es nicht dem gesandten des Herzogs als dieser es abholen wollte. Da dieser dieses herausragende Werk als poca cosa, kleine Sache!, bezeichnete – wodurch sich Michelangelo dermaßen beleidigt fühlte, dass er das Werk vorab behielt um es später Antonio Mini, einem seiner Schüler, zu schenken. Durch Antonio Mini gelangte die Leda mit dem Schwan nach Frankreich an den Hof des Schlosses Fontainebleau.
Der Französische Konig Franz I fand offensichtlich großen Gefallen an dem Gemälde und kaufte es kurzer Hand.
Das Gemälde verblieb im Schloss Fontainebleau, bis es im 17. Jahrhundert vermutlich auf Befehl von Anna von Österreich, Königin von Frankreich und Navarra, aus moralischen Gründen, wegen seiner „Lüsternheit“ verbrannt oder zerstört werden sollte.
Das Werk wurde an den Minister François Sublet zur Vernichtung übergeben. Ob dieser der Weisung nachkam oder das Bild selbst behielt, ist unklar, es wurde berichtet, dass es 1740, wenn auch in schlechtem Zustand, noch gesehen wurde und somit noch existierte. Danach verlieren sich alle Spuren des Gemäldes.
Ein Meisterwerk der Renaissance wurde – so die Legende – schlichtweg zerstört oder sollte zerstört werden, weil die moralische Enge einer Epoche die künstlerische Freiheit der anderen nicht ertrug.
Was uns heute bleibt, ist ein Phantom. Wir kennen Michelangelos Vision nur durch Kopien, wie jene von Rosso Fiorentino in London oder Stiche anderer Künstler. Diese Schatten des Originals lassen uns erahnen, wie sehr Michelangelo die Darstellung der Leda revolutioniert hat.
Das verlorene Gemälde steht sinnbildlich auch für das Thema dieser Ausstellung: Schöne Kunstwerke besitzen eine große Kraft und sind wie der Mythos, unsterblich.
Wenn Sie nun die Werke betrachten, sehen Sie darin auch den Widerhall des Geistes von Michelangelos Gemälde Leda mit dem Schwan. Jeder Strich hier ist auch ein Sieg über das Vergessen und die Zerstörung.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft des heutigen Abends: Schönheit lässt sich unterdrücken oder verbrennen, aber sie findet immer einen neuen Weg ans Licht.
Nun zum Mythos
Der antike Mythos von Leda und dem Schwan, handelt von der Verführung der spartanischen Königin durch den, in einen Schwan verwandelte Göttervater Zeus, oder für die Rottenburger Römer unter uns: Jupiter.
„Die Geschichte führt uns ins antike Sparta. Zeus, der Göttervater, entbrennt in Liebe zu Leda, der Gattin des Königs Tyndareos. Doch Zeus nähert sich ihr nicht als Gott oder als Mann, sondern er nutzt die Möglichkeit der Metamorphose: und er verwandelt sich in einen Schwan.
Warum ein Schwan? Das Tier vereint Gegensätze: Die Reinheit des weißen Gefieders und die Aggressivität eines stolzen Vogels; die Eleganz des langen Halses und die rohe Kraft der Schwingen. Es ist eine Begegnung zwischen der menschlichen und der göttlichen Sphäre, maskiert als Naturereignis.
Die Vereinigung von Zeus in Gestalt eines Schwanes mit Leda, blieb nicht ohne Folgen. Der Mythos erzählt, dass Leda zwei Eier gebar. Und zwar zwei, ausfolgendem Grund: Sie hatte am selben Abend auch noch mit Ihrem Manne Beischlaf.
Übrigens: Im Palazzo Rosso in Genua, ist in einer Marmorskulptur eindeutig belegt, dass der Schwan die Eier ausbrütete, das nur neben bei erwähnt.
Aus den Eiern schlüpften nicht weniger als vier der bedeutendsten Figuren der Antike: Klytämnestra und die Dioskuren Kastor und Polydeukes – und vor allem die schöne Helena.
Man könnte sagen: ohne die Umarmungen von Leda: kein Troja, keine Ilias, keine Odyssee. Es ist ein Moment, in dem die mythologische Weltgeschichte ihren Lauf änderte.
Wer waren diese Kinder? Es sind zwei Paare, die gegensätzlicher nicht sein könnten und die doch untrennbar verbunden sind:
- Helena und Polydeukes (Pollux): Die göttlichen Kinder. Helena, die schönste Frau der Welt, deren Antlitz später tausend Schiffe nach Troja in den Krieg ziehen ließ. Und Polydeukes, der unsterbliche Kämpfer.
- Klytämnestra und Kastor: Die sterblichen Kinder. Klytämnestra, die zur tragischen Rächerin und Mörderin ihres Gatten Agamemnon wurde. Und Kastor, der geschickte Pferdebändiger.
In dieser Kinderschar vereinen sich Schönheit und Zerstörung, Sterblichkeit und Ewigkeit. Alles, was das menschliche Drama ausmacht.
Besonders rührend ist das Schicksal der Brüder Kastor und Polydeukes. Als der sterbliche Kastor fiel, bat sein unsterblicher Bruder, Zeus darum, seine Unsterblichkeit mit ihm zu teilen. So wurden sie als Sternbild der Zwillinge an den Himmel gesetzt. Sie stehen bis heute für die Treue über den Tod hinaus – ein heller Gegenpol zur Gewalt, die dem Mythos oft innewohnt.
Die Kunstgeschichte hat diesen Mythos oft als rein erotische Szene gelesen – als ästhetische Darstellung von Schönheit und Hingabe. Doch der moderne Blick fordert uns heraus, tiefer zu graben. Der Schwan ist auch ein Eindringling. Der Mythos spricht von Überwältigung, von Machtverhältnissen und von der Ambivalenz der Verführung.
Hier in der Ausstellung sehen Sie außergewöhnliche Exponate, darunter eine Kopie des bedeutenden Werkes nach Michelangelo, dessen Original die National Gallery in London besitzt.
Eine Kopie der Zeichnung die als Studie für das Bild der Leda gilt, dessen Original sich in der Casa Buonarroti in Florenz befindet. Dies beiden Kopien wurden von mir für die Ausstellung gefertigt.
Weitere Werke sind von Cornelis van Poelenburgh (1594/95–1667), Jean-Jacques Feuchère (1807–1852) und Hans Meid (1883–1957). Diese dokumentieren die motivische Beständigkeit über die Jahrhunderte hinweg.
Und natürlich hängen auch meine eigenen Werke die das Thema zum Inhalt haben hier.
Herzlichen Dank!